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Sächsische Schweiz #1

Bonjour Cherie,

siehst du auch die traurigen grauen Wolken, wenn du aus dem Fenster schaust und sind die Bäume bei dir genauso kahl?

Ganz anders war das in meinem Kurzurlaub in der Sächsischen Schweiz Ende Oktober.


Als wir die Reise über den Reformationstag planten, wurde uns gesagt, zu dieser Jahreszeit sei es nur halb so schön. Es ist nass, kalt und die Wälder haben ihr Blattwerk gegen den Winterlook eingetauscht. Man sagte uns es könnte sein, dass wir enttäuscht werden und uns die Schönheit dieser Landschaft nur halb so prächtig vorkommen wird, wie sie im Frühjahr oder Sommer sein mag.

Nee, denkste! Ja, es war kalt, nass und vor allem windig, weil der Orkan ‚Herwert‘ ausgerechnet an diesem Wochenende sein Unwesen treiben musste.

Was ich jedoch gleich zu Anfang sagen kann: wir wurden NICHT enttäuscht.


Wie sind wir überhaupt auf die Idee gekommen in die Sächsische Schweiz zu fahren?

Eins ist klar. Wenn man die ganze Woche über entweder auf der Arbeit oder in der Uni sitzt, bewegt man sich so gut wie gar nicht. Natürlich, man könnte laufen. Cherie, würdest du wirklich laufen, wenn das Wetter zum wegrennen, du morgens kaum die Augen aufbekommst und abends todmüde ins Bett fällst? Ich nicht.

Das macht sich allerdings erstens auf der Waage bemerkbar und dann ist da noch dieser fiese Aspekt, der dich quält: Rückenschmerzen. Durch das ständige Sitzen und dem Mangel an Bewegung leide ich oftmals unter Rückenschmerzen. Auf der Arbeit versuche ich bereits präventiv zusammen mit meiner reizenden Kollegin mit einigen Sportübungen dagegen anzukämpfen. Was nützt einem jedoch dieser minimale Bewegungsaufwand, wenn der Mensch zum Laufen geboren worden ist?

Ich bin ein absoluter Jogging-Muffel. Es ist bewundernswert, dass sich Andere dafür dermaßen begeistern können und morgens bevor sie zur Arbeit gehen, erstmal eine Runde um den Block sprinten. Ich kann mich dazu nicht überwinden. Es macht mir keinen Spaß, alles wackelt und dann muss man aufpassen, dass man nicht bald bei ‚Aktenzeichen XY‘ Thema des Abends wird. Nein, dann lasse ich das lieber.

Begeisterung sieht anders aus

Allerdings mag ich es spazieren zu gehen und da ist mir die Distanz egal. Wenn ich mich mit meiner besten Freundin treffe, dann kann der Spaziergang nicht lang genug sein. Wir laufen, beobachten und quatschen. Dabei vergeht die Zeit wie im Fluge und man bewegt sich. Nebenbei entdeckt man Orte, die man vorher nicht wahrgenommen hat und erweitert seine Landkarte im Kopf um ein paar km² mehr.

Dann kam mir die Idee. Warum fahren wir nicht mal ins Grüne, erkunden ein unbekanntes Fleckchen Erde, ich kann nebenbei fotografieren und die Bewegung kommt nicht zu kurz. Genau. Wir gehen wandern – in der Sächsischen Schweiz!

Mein Freund war davon schier begeistert und gebucht war der Urlaub.

Aber warum Sächsische Schweiz?

Ich wollte an einen Ort, an dem ich noch nie war, von dem ich aber schon mal gehört habe. Du kennst sicher die berühmte Basteibrücke? Ja, genau die wollte ich unbedingt sehen. Im Internet kursieren diverse Fotos, auf denen dieses Motiv zu sehen ist. Unbeschreiblich schön. Natürlich spielt oftmals die Belichtung eine große Rolle aber dennoch vermittelt dieses Bild ein Gefühl von Harmonie, Ruhe und Unendlichkeit.

Außerdem sollte man auch ab und zu Urlaub im eigenen Land machen, verstehen wo man herkommt. Wenn wir verreisen, dann meist ins Ausland. Paris, Rom, Nizza, Kopenhagen, Dublin, Venedig, Barcelona,… aber Deutschland? Eigentlich so gut wie nie.

Die Anreise

Wir sind am Freitag direkt nach der Arbeit mit dem Auto losgefahren. Cherie, versetze dich bitte in die Zeit vom Reformationstags-Wochenende zurück: Berlin, es ist Freitagnachmittag und verlängertes Wochenende liegt vor einem. Du kannst dir vorstellen, dass die Straßen voll sind, oder? Dann war auch noch die Stadtautobahn gesperrt. Wir standen gefühlte 2 Stunden im Stau und sind erst relativ spät an unserem Ziel angekommen – Panoramahotel Lilienstein, Hotel Nummer Eins.

Panoramahotel Lilienstein

Als wir das Hotel gebucht haben, konnten wir uns nur bedingt vorstellen wie es wohl in der Realität aussieht. Wir wurden freundlich an der Rezeption begrüßt und sind erstmal unten im Restaurant etwas essen gegangen, weil wir halb ausgehungert waren und vorher nichts zum Beißen bekommen haben.

Das Essen war gut. Ich hatte als Vorspeise eine köstliche Kürbissuppe und als Hauptgang Schweinemedaillons. Mein Freund hat sich die Pfifferlingssuppe bestellt und Fisch. Das Essen kam sehr schnell und hat gesättigt.

Dann sind wir auf unser Zimmer gegangen. Die Einrichtung war rustikal. Jedes Zimmer hatte einen bestimmten Namen, die Geschichte zum Namen stand auf einem Bild an der Zimmerwand geschrieben. Interessant war das Bad, das aussah wie auf einem Schiff. Die Wände waren aus Kunststoff und man hatte wenig Platz. Zwei Personen konnten sich nur dort bewegen, wenn sich einer in der Dusche versteckt hat. Zum Schlafen und Entspannen hat es allerdings gereicht. Wir wollten uns schließlich bewegen und nicht Faulenzen!

Der Königsstein

Nach dem Frühstück haben wir uns auf dem Weg zum zur Festung Königstein auf dem Königstein gemacht. Wir sind natürlich die ganze Strecke gelaufen. Laut meiner Health App, waren es rund 14.000 Schritte und ca. 10 km. An sich klingt das nicht viel, da man am Tag mindestens 10.000 Schritte gehen sollte. Beachtet man allerdings die Höhendifferenz, dann sind das sehr gute 14.000 Schritte.

Quelle: Google Maps

Da sich zwischen dem Start und Endziel die Elbe befindet und uns nicht nach schwimmen zumute war, sind wir mit der Fähre gefahren. Sehr kurze Fahrt aber eine Erfahrung wert. Das Wetter war weniger einladend. Es nieselte, der Himmel war grau und der Orkan machte sich allmählich bemerkbar. Die Blätter der Bäume fingen jegliche Ärgernisse ab und beim Besteigen des Königsteins wurde mir richtig warm. Ich ließ es mir nicht nehmen, alle paar Meter stehen zu bleiben, um ein Foto zu schießen. Ich geriet in den bereits im Nizza-Post erwähnten Trance-Zustand, die Natur und ich wurden irgendwie eins.

Auf dem Weg weiter nach oben, hatten wir plötzlich Abenteuersehnsucht und sind ein wenig vom Weg abgekommen, weil wir eine interessante Höhle gesehen haben. Oh Cherie, du glaubst gar nicht wie steil es dort bergauf ging. Hoch geht es einigermaßen gut aber runter? Das Laub war durchnässt und trotz der Wanderschuhe hatte ich Angst runterzurollen wie eine pinke Sushi-Rolle. Nichtsdestotrotz hat es sich gelohnt, so etwas habe ich seit über Zehn Jahren nicht mehr gemacht. Runtergekommen bin ich auch, obwohl ich mir meinen Arm ein wenig verdreht habe. Seitdem ich letztes Jahr beim Versuch pünktlich den Bus zu bekommen auf die Nase gefallen bin, sind wir keine besten Freunde mehr.

Kurze Zeit später kamen wir oben bei der Festung an. Es war so windig, dass ich meine Mütze festhalten musste, meine Finger sind halb abgestorben und ich bereute keine Handschuhe dabei zu haben. Die Besichtigung war interessant. Von alten Weinfässern bis zu eigenartigen Räumlichkeiten, in denen Pestkranke festgehalten und durch einen Spalt mit Nahrung versorgt worden sind, habe ich mich ein wenig wie eine Lady bei Game of Thrones gefühlt.

Die Aussicht war phänomenal und meine Beine haben sich über diesen Bewegungsüberdruss gefreut. Zur Belohnung und weil meine Hände einfach nicht warm werden wollten, haben wir uns einen Kakao gegönnt. Der beste Kakao der Welt war es nicht aber er hat seinen Zweck erfüllt: warme Hände. (Es gibt nichts Schlimmeres als Wasserkocher-Kakao, wozu gibt es Milch?).

Dann ging alles recht schnell. Du kennst das sicher: man nimmt den Rückweg als viel kürzer war, als man denkt – vermutlich, weil man alles schon kennt und nicht mehr allzu detailliert auf seine Umgebung achtet? Das kann mir nur ein Psychologe erklären, haha!

Alles wäre dann fix gegangen, wenn ich nicht wieder meinen Bauernhofkomplex bekommen hätte. Anscheinend findet man als Stadtkind Tiere total interessant und muss sich sehr ausführlich mit ihnen unterhalten (ja, so etwas wie Babysprache nur auf Tierisch – ich überlasse das jetzt deiner Fantasie). Wir haben eine kleine Ziege getroffen, Schafe und ganz viele Gänse. Sag was du willst Cherie, aber das ist irgendwie ein Faible. Hätte ich jetzt noch kleine Piepmätze gesehen, dann wäre es absolut um mich geschehen.

Zurück im Hotel sind wir wortwörtlich ins Bett gefallen und haben uns dem Schlaf und Fernsehen gewidmet. Du glaubst gar nicht wie fertig ich war. Die frische Luft und all die anderen Eindrücke mussten verarbeitet werden. Ich konnte kaum aufstehen aber man müsste vielleicht noch eine Kleinigkeit zum Abend essen, bevor man weiterschlummert…


Das war der offizielle erste Tag und der erste aktive Part des Kurzurlaubs. Die Basteibrücke habe ich noch nicht zu Gesicht bekommen aber ich habe mich sehr über mein Bett gefreut. Ich erzähle dir das nächste Mal mehr dazu, wenn du magst.

Es gibt noch vieles zu berichten und zeigen.

Bis bald,

deine Julie

 

 


Hast du Fragen oder Anregungen?

Dann hinterlass‘ mir doch einen Kommentar oder schreib mir eine Mail an cheriexplore@gmail.com.

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